Risikofaktor Mensch

 

 

Obwohl nosokomiale Infektionen sehr oft in direktem Zusammenhang mit invasiven Eingriffen (Venen- und Harnwegskatheter, apparative Beatmungen, Implantaten usw.) stehen, dürften die eigentlichen Ursachen in einer generellen Nachlässigkeit, menschlichem Versagen und damit in den extremen Einsparungen für das Hygienepersonal zu suchen sein. So weist selbst das RKI darauf hin, dass die Angaben zur Zahl des Hygienefachpersonals lückenhaft sind. 

 

Nach Rechercheergebnissen der ARD, scheinen die Reinigungskräfte pro Zimmer einer Station nur noch fünf Minuten Zeit zur Reinigung zu haben [1]. „Da sei es unmöglich, sowohl Bad, als auch alle Oberflächen und Türklinken zu putzen. Auch würde der Putzlappen zu wenig gewechselt“.

 

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch die Vorsitzende der Fachgruppe Gebäudereinigung der Gewerkschaft IG Bau, nach der in vielen Kliniken zwei – vier Mal in der Woche lediglich eine „Sichtreinigung“ durchgeführt würde. Nur der oberflächliche Schmutz werde an diesen Tagen beseitigt [2].

 

               Damit kommt vor allem der Missachtung einfachster Hygiene-Regeln wie einer      

               peniblen Händedesinfektion eine entscheidende Rolle zu ("Compliance"), weil damit                                  sowohl das Pflege-, als auch das ärztliche Personal die Keime kontaminierter Flächen                                und Gegenstände  unbeabsichtigt verteilen. Dies bestätigt auch eine aktuelle Studie

               in 15 ambulanten medizinischen Einrichtungen, in der das Personal in 37,0 Prozent

               der Fälle sich überhaupt keine Hände wusch und lediglich 33,9 Prozent ein

               alkoholbasiertes Händereiben für erforderlich hielten [3].

 



[1] Kontraste. ARD vom k04.10.2012

[2] WAZ vom 12.01.2012. Gewerkschaft kritisiert mangelnde Hygiene in Krankenhäusern

[3] Thompson D et al. Using medical student observers of infection prevention, hand hygiene, and

       injection safety in outpatient settings: A cross-sectional survey. Am J Infect Control. 2016 Apr

       1;44(4):374-80