Neue Medikamente versus Hygiene

 

In einem aktuellen Vergleich der Gesundheitskosten aller Industrieländer (OECD) befindet sich Deutschland auf einem absoluten Spitzenplatz [1]. So fließen rund 11 Prozent unseres Bruttoinlandprodukts bzw. 300 Milliarden Euro  in unsere Gesundheit – mehr als in den allermeisten Industrienationen. Die darin enthaltenen Arzneimittelkosten sind z.B. innerhalb kürzester Zeit um sieben Prozent gestiegen, wobei „einige wenige sehr teuren Medikamente die eigentlichen Preistreiber sind. Allein die Kosten für Krebsmedikamente sind von 2005 – 2013 um das 35-fache gestiegen“ [2]. Nach einer US -amerikanischen Studie [3] hat sich die durchschnittliche Überlebenszeit eines Patienten aber gerade einmal um 2,1  Monate verlängert.

 

          Beispiele:

           Das neue Krebsmedikament Opdivo kostet z.B. pro Einheit über 4 000 Euro. Ein Behand-                        lungjahr summiert sich damit auf runde 100 000 Euro.

           Der Preis für das Gentherapeutikum Glybera, das bei einer ererbten Stoffwechsel-                                      erkrankung  zum Einsatz kommt, beträgt pro Ampulle fast 54 000 Euro. Das ergibt pro                              Behandlungsfall eine Million Euro.

 

           Für eine 12-wöchige Behandlung einer Hepatitis C mit dem das Medikament Sofosbuvir ist                      mit über 53 000 Euro pro Patient zu rechnen.

 

 

Politiker schlagen Alarm

 

Nach dem Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ist das kaum mehr finanzierbar. So kam der damalige Präsident der Bundesärztekammer Jörg-Dietrich Hoppe schon 2009 zur Schlussfolgerung:

 

          „Der richtige Umgang mit der Mittelknappheit wird zweifellos zu einer der wichtigsten               Herausforderungen für unser Gesundheitssystem. Haben Sie den Mut zur Wahrheit“ [4] .

 

So nimmt es kein Wunder, dass Kliniken,  zu den Verteilungskriterien teurer Behandlungskosten von der Politik alleingelassen, nur mehr den Ausweg sehen, die Stellschraube an den Personalkosten immer weiter anzuziehen. Die Zunahme nosokomialer Infektionen ist damit nicht in einem mangelnden Hygienebewusstsein zu suchen, sondern allein im Druck zu einer wirtschaftlichen Betriebsführung und Gewinnmaxierung - wobei hier die DRG-Abrechnúng eine nicht unwesentliche Rolle spielt.



[1] OECD Gesundheitsstatistiken 2015. www.oecd.org/health, July 7, 2015

[2] Verschreibungspflichtig. Neue Medikamente drängen auf den Markt. Doch sie sind exorbitant                teuer. Zeitmagazin 07.01.2016

[3] Unintended Consequences of Expensive Cancer Therapeutics—The Pursuit of Marginal                    Indications and a Me-Too Mentality That Stifles Innovation and Creativity. Fojo T et al. JAMA 

       Otolaryngol Head Neck Surg. 2014;140(12):1225-1236

[4] Rede des Präsidenten der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages, Prof. Dr. Jörg-

     Dietrich Hoppe, zur Eröffnung des 112. Deutschen Ärztetages. 19.05.2009