Epigenetische Uhr – Altersvorhersage 2.0 durch deep learning

Mit der vor einigen Jahren entdeckten „Epigenetischen Uhr“ 1 und einem Speicheltest zur Altersbestimmung 2, womit sich das Alter eines Menschen erstaunlich genau bestimmen lässt, kamen seinerzeit Zweifel auf, ob denn tatsächlich gesundes Essen, wenig Stress oder viel Bewegung, auf den Alterungsvorgang großen Einfluss nehmen können. Zwar bestimmen Umwelteinflüsse sehr wohl darüber, welche Gene abgelesen werden, aber halt nicht so sehr stark. Zur Erläuterung: Unter Epigentik versteht man eine „Erbgutanalyse“, bei der man die Methylgruppen der DNA, mit der die Zelle die Aktivität von Genen steuert, untersucht (DNAm). Und nachdem im Laufe unseres Lebens Methylgruppen angehängt, entfernt oder etwa verschoben werden, ergibt sich daraus ein individuelles Muster, das man messen kann und womit die noch verbleibende Lebenszeit einigermaßen gut abzuschätzen ist (MAE < 4 / Mean Absolute Error). Wohinter sich aber, wie man inzwischen weiß,  eine Reihe nicht beachteter technischer Schwächen verbergen. In einer aktuellen Review zum neuesten Stand der Technik finden nun Überlegungen statt, wie die Funktionsfähigkeit der  epigenetischen Uhr – über die Altersvorhersage hinaus –  durch „deep learning“ erweitert werden kann 3

1 Horvath S. DANN methylation age of human tissues and cell types. Genome Biol. 2013; 14(10): R115  //  2 Bell CG, Lowe R, Adam PD  et al. DNA methylation aging clocks: challenges and recommendations. Genome Biol. 2019; 20(1): 249  //  3 Galkin F, Mamoshina P, Aliper A et al. Biohorology and biomarkers of aging:  current state-of-the-art, challenges and opportunities. Ageing Res Rev. July 2020; 60: 101050

RK 01.06.2020


Zweiter Anlauf  –  Weiteres Sexualstimulantium für die Frau zugelassen

Nach dem Flop von Flibanserin, einer auch als  „Pink Viagra“ titulierten Lustpille (Addyi®) der Frau 1, hat die US-amerikanischen FDA im Sommer letzten Jahres mit Bremelanotide (Vyleesi®) einen neuen Wirkstoff zugelassen, der nun eher das halten könnte, was er verspricht. Grundlage waren zwei 24-wöchige randomisierte und placebokontrollierte  Doppelblindstudien, an denen 1 247 Frauen mit einer sog. „hypoaktiven sexuellen Regulationsstörung vor den Wechseljahren“ (HSDD) teilgenommen hatten. Mit einer Zunahme um 1.25 – 1.30 Punkte im Sexual Function Index (FSFI) / Domain Sexuelles Verlangen bzw.  einer Abnahme im Female Sexual Distress Scale / Domain Verlangen, Erregung und Orgasmus um 1,4 – 1,7 Punkte, fiel das Ergebnis allerdings eher bescheiden aus (Placebo 0,70- 0,77 bzw. – 0,9) 2 — was nun auch in einem aktuellen Review bestätigt wird 3 . Als häufigste unerwünschte Wirkungen werden Übelkeit (39,9 %), Gesichtsrötung (20,4 %) und Kopfschmerzen (11 %) genannt. Bei Bremelanotide handelt es sich um eine subkutane Injektion, die man sich ungefähr eine dreiviertel Stunde vor dem Geschlechtsverkehr selbst spritzen sollte.

1 Jaspers L, Feys F, Bramer WM et al. Efficacy and safety of Flibanserin for the treatment of hypoactive sexual desire disorder in women. A systematic Review and Metaanalysis. JAMA Intern Med. 2016; 176(4): 453-462 // 2 Simon JA, Kingsbergg SA, Portman D et al. Long-term safety and efficacy of Bremelanotide for hypoactive sexual desire disorder. Obstet Gynecol. 2019; 134(5): 909-917 // 3 Mayer D, Lynch SE. Bremelanotide: New drug approved for treating hypoactive sexual desire disorder. Ann Pharmacother. 2020 Jan 1: 1060028019899152

RK 18.05.2020


Aminosäure Leucin –  Wirkung geht weit über den  Kraftsport hinaus

Die als BCAA (Branched Chain Amino Acids) bekannte essentielle Aminosäure Leucin, spielt vor  allem im Kraft- und Ausdauersport eine wichtige Rolle, da sie den Muskelaufbau verbessert und die schnelle Ermüdung bei Ausdauerbelastungen verlangsamen kann. Weniger bekannt sind ihre Anti-Adipositas-Effekte, nachdem sie nicht nur die Lipolyse und den Abbau von Fettsäuren (ß-Oxidation) fördert 1, sondern auch einen erhöhten Blutzuckerspiegel senkt  2.

In einem  kürzlich publizierten Review, wurde nun nochmals die leucinbedingte Fettverbrennung und auch offensichtliche Wirksamkeit bei mitochondrialer Dysfunktion untersucht. Man kommt zur Schlussfolgerung,   dass sich bei dieser bisher nur wenig beachteten Aminosäure, völlig neue Strategien zur Behandlung neurodegenerativer sowie kardiovaskulärer Erkrankungen, Adipositas, Diabetes, aber auch im Bereich Longevity ergeben könnten 3.

1 Koh PL, Ho JP, Pang C et al. The role of leucine in stimulation of adipocyte lipolysis. Diabetes Res Clin Pr. 2016; 120: S181–S182 // 2 Manders RJF, Praet SFE. Meex RCR et al.  Protein hydrolysate/leucine co-ingestion reduces the prevalence of hyperglycemia in type 2 diabetic patients. Diabetes Care 2006, 29, 2721–2722 // 3 Zhang L, Li F, Guo Q et al.  Leucine Supplementation: A Novel Strategy forModulating Lipid Metabolism and Energy Homeostasis. Nutrients 2020; 12: 1299; doi:10.3390/nu12051299

RK 12.05.2020


Jod verlängert die Lebenszeit älterer Menschen

In einer aktuellen Studie, wurde der Einfluss einer  jodreichen Ernährung auf die Langlebigkeit älterer Menschen (74 – 79 Jahre / n = 218) untersucht. Nach einem 20-jährigen Follow-up stellte sich nun heraus, dass Personen, die in einer jodreichen Umgebung lebten, einem um 40 % niedrigeren Sterberisiko unterlagen (HR Hazard ratio 0,60 / p = 0,006),  als diejenigen aus einem jodarmen Gebiet 1.

1 Riis J, Pedersen KM, Danielsen MB et al. Long-term iodin nutrition is associated with longevity in older adults: a 20-year follow-up of the Randers-Skagen study. Br J Nutr. 2020; May 7: 1- 15, doi: 10.1017/S0007114520001592. Epub ahead of print

RK 09.05.2020


Morbus Alzheimer – wohl das Ergebnis einer viralen Infektion

Schon 1997 sorgte eine „Nonnenstudie“ für ungläubiges Erstaunen, zeigte sich doch  bei Schwester Mary („Kongregation der armen Schulschwestern von unserer lieben Frau“), die bis an ihr Lebensende (101 Jahre) immer körperlich und  geistig fit gewesen war, eines der schlimmsten „Alzheimergehirne“, die man bis dahin gesehen hatte. Auch wiesen in dieser Kohortenstudie (678 katholische Nonnen  / Ø 85 Jahre) zwar viele der Schwestern die für Morbus Alzheimer typischen Plaquebildungen auf. Nur waren diese nur bei etwa zehn Prozent der Frauen mit einer dementiellen Symptomatik in Einklang zu bringen 1.

Nachdem aber Beta-Amyloid-Plaques, wegen ihrer antimikrobiellen Wirksamkeit (Viren, Bakterien), wohl als Teil der angeborenen Immunabwehr zu betrachten sind 2 und sich dort in neunzig Prozent der Fälle die DNA von Herpesviren (HSV1) finden lässt 3, wurde schon bald die Frage aufgeworfen, ob es sich bei Alzheimer (AD) denn nicht um ein infektiöses Geschehen handeln könnte. Denn die sog. Tau-Proteine, die den Beta-Amyloiden folgen, scheinen sich in den Nervenzellen ähnlich einer Infektion auszubreiten 4.

In einem aktuellen systematischen Review vom April 2020, das 51 Studien mit insgesamt 108 723 Teilnehmern umfasste, kommt man nun zum Ergebnis, dass bei der Entstehung von AD offensichtlich Infektionen eine wichtige Rolle spielen und daran Chlamydien sowie Herpes- und Epstein-Barr-Viren beteiligt sind 5. Dementsprechend dürfte es sich bei der bisherigen Alzheimerforschung, die sich fast ausschließlich der Beseitigung des „bösen“ Beta-Amyloids gewidmet hat, um eines der größten Wissenschaftsirrtümer der letzten Jahrzehnte handeln.

1 Snowdon DA. Aging and Alzheimer’s disease: lessons from the nun study. Gerontologist. 1997; 37(2): 150-156  //  Itzhaki RF, Wozniak MA. Could antivirals  //   2 Soscia SJ, Kirby JE, Washicosky KJ et al. The Alzeimer’s disease-associated amyloid beta-protein is an antimicrobial peptide. PLoS One. 2010; 5(3): e9505 // Bertram L, Tanzi RE. Alzheimer disease: new light on an old CLU. Nat Rev Neurol. 2010; 6(1): 11-13  //  4 Franzmeier N, Neitzel J, Rubinski A et al. Functional brain architecture is associated with the rate of tau accumulation in Alzheimer’s disease. Nat Commun. 2020; Jan 17; 11(1): 347  //   5 Qi YN, Zhu JX, Hou XH et al. Associations of infectious agents with Alzheimer’s disease: a systematic review and meta-analysis.  J Alzheimers Dis. 2020 Apr 6. doi: 10.3233/JAD-191337. Epub ahead of print.

RK 05.05.20


Ritalin erhöht die Motivation, steigert aber nicht die kognitive Leistungsfähigkeit

Motivation, Neugierde und Lernbereitschaft sind nicht einfach so angeboren, sondern haben sehr viel mit dem Neurotransmitter Dopamin zu tun. Denn seine Konzentration entscheidet letztendlich darüber,  wie energisch und zielgerichtet wir einer Aufgabe entgegensehen 1. Dies bestätigt sich nun auch in einer Studie mit dem Neuroenhancer Methylphenidat („Ritalin“), welcher bekanntlich die Dopaminkonzentration in einem bestimmten Hirnteil („Striatum“)  erhöhen kann. Folgerichtig  steigerte sich bei Probanden, die nur über einen sehr niedrigen  Dopaminlevel  verfügten, durch  Methylphenidat die Motivation, sich an die Lösung einer schweren Aufgabe zu machen. Bei  Versuchsteilnehmern mit einer normal  hohen Dopaminkonzentration statt dessen, blieb Ritalin wirkungslos 2. Dies entspricht auch den bisherigen Erfahrungen, dass Ritalin bei gesunden Kindern (und Erwachsenen)  nicht wirkt, nachdem auch keine direkte kognitive Leistungssteigerung zu erwarten ist.

1 Hamid A, Pettibone J, Mabrouk O et al. Mesolimbic dopamine signals the value of work. Nat Neurosci. 2016; 19: 117-126  / 2 Westbrook A, van den Bosch R, Määttä JI et al. Dopamine promotes cognitive effort by biasing the benefits versus costs of cognitive work. Science. 2020; 367(6484): 1362-1366

RK 03.05.2020


Eine gute oder schlechte Nachricht ?

Laut aktueller Graphik des Norwegian Meteorological Institute 1 liegt die Ausdehnung des Meereises um Spitzbergen mit 478 050 km2 weit über dem langjährigen Durchschnitt.

1 Ice charts. Svalbard See Ice Area 2019 – 2020. Current value April 24, 2020. Norwegian Meteorological Institute

RK 29.04.2020


Prostatakarzinom: Zweifel am bisherigen Dogma einer Hormonblockade

Um  bei einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom das Wachstum von Karzinomzellen zu stoppen, gilt die Antihormontherapie als Mittel der Wahl. Dabei wird entweder die Signalwirkung von Testosteron auf die Zielzellen blockiert oder die Testosteronsynthese in den Hoden gleich ganz verhindert. Nun lässt eine bereits 2019 publizierte Studie aufhorchen, stellt sie doch die bisherige Lehrmeinung auf den Kopf. So erhielten Männer (niedriges präoperatives freies Testosteron), die sich einer radikalen Prostatektomie unterzogen hatten, eine Testosteronsubstitution (TRT), damit sich ihre Sexualfunktion verbessert. Zur Überraschung der Studienautoren, führte die TRT zu einer längeren rezidivfreien Zeit und verzögerte auch die Progression der Erkrankung – verglichen mit der Patientengruppe mit einer Standardtherapie 1.

1 Towe MM, Huynh LM, El-Khatib F et al. The predictive power of free (vs. total) testosterone in aggressive prostate cancer. J Clin Oncol. 2019; 37(15 Suppl): DOI: 10.1200/JCO.2019.37.15_suppl.e16570

RK 22.04.2020


Aktueller Marktreport zum natürlichen Antibiotikum / Virostatikum Colostrum

Laut aktuellem Report des Markforschungsunternehmens „360 Market Updates“, erreicht der Markt für bovines Colostrum in 2020 etwa 126,1 Mio. USD und wird 2026 –  bei einer Wachstumsrate (CAGR Compound Annual Growth Rate) von jährlich 8,8 % –  etwa 229,1 Mio. USD erreichen. Als wichtige Anbieter werden u.a. PanTheryx (APS BioGroup / La Bell, Inc.). Colostrum BioTec Germany, Immuno- Dynamics, Ingredia Nutritional, New Image, Biostrum Nutrtech, Imu-Tek etc. genannt 1

1 Bovine Colostrum Market 2020 – 2026: Research Report by Key Companies, Future Trend, Pipeline Projects, Product, Application, Growth and Regional Forecasts. Press release April 15, 2020 / www.marketwatch.com .

20.04.2020


LSX Nordic Congress

Strategy, Investment, Partnering & Deal Making for Nordic Life Science Executive Leaders

3rd Annual Conference

September 2 – 3, 2020

Nasdaq Offices Stockholm, Sweden

https://www.lsxleaders.com/lsx-nordic-congress


Es muss nicht immer Oralsex sein

In einer kürzlich publizierten Studie wird zwar bisherigen Erkenntnissen 1 widersprochen, dass das in hoher Konzentration in der männlichen Samenflüssigkeit enthaltene Spermidin, die Lebenszeit erheblich verlängern kann. Allerdings fördert es im Tierversuch die Gewichtsreduktion bzw. verbessert die Nieren-, Leber- und Herzfunktion. Auch wirkt in bestimmten Gehirnregionen anti-entzündlich, vermindert  Angst und führt zu einer Steigerung von Antrieb und Interesse 2. Weniger bekannt ist, dass es einige spermidinreiche Lebensmittel gibt. So liegt es nahe, eine Ernährungsumstellung in Betracht zu ziehen.

1 Kiechl S, Pechlaner R, Willeit P et al. Higher spermidine intake is linked to lower mortality: a prospective population-based study. Am J Clin Nutr. 2018; 108(2): 371-380   / 2 Filfan M, Olaru A, Udristoiu I et al. Long-term treatment with spermidine increases health span of middle-aged Sprague-Dawley male rats. Geroscience. 2020; Apr 13; doi: 10.1007/s11357-020-00173-5. Epub ahead of print

RK 15.04.20


The New York Times

In einem aktuellen Artikel der New York Times (April 6, 2020) „A German Exception ? Why Country’s Coronvirus Death Rate Is Low“ wird die Frage gestellt,  warum die Sterblichkeitsrate in Deutschland nur 1,3 %, aber in Italien 12 %, Spanien, Frankreich und GB  10 %, China 4 %,  USA 2,5 % und selbst  in Südkorea immer noch  1,7 % beträgt. Als Gründe werden u.a. die weit höhere Anzahl von durchgeführten Tests (350 000 pro Woche), ein konsequenteres  „Tracking“ und das hervorragende deutsche Gesundheitssystem genannt.

12.04.20


Was in der Coronakrise leicht in Vergessenheit gerät

Herz-Kreislauf-Tote BRD 2017 1         265 357

Krebstote in BRD  2017 2                     235 700  (EU 1, 428 Mio. / Prediction 2020 6 )

COPD-Kranke in Klinik 2017  3            241 742

COPD-Tote  BRD 2017  4                         32 104

Covid-19-Tote BRD 5                                 2 736  (8 602/ Stand 04.06.20)

1 Statistisches Bundesamt  Okt 2019  / 2 Statistisches Bundesamt Okt 2019 / 3 Statistisches Bundesamt Okt 2019 / 4 Statistisches Bundesamt Okt 2019 / 5 Johns Hopkins University 11.04.20 / 6 Carioli G, Bertuccio P, Boffetta P et al. European cancer mortality predictions for the year 2020 with a focus on prostate cancer. Annals of Oncology, April 19, 2020. https://doi.org/10.1016/j.annonc.2020.02.009

RK 11.04.2020 / update 04.06.20


Mit etwas Augenzwinkern: Immunstimulation à la Samoa

In Zeiten von Covid-19 und einer wachsenden Flut mehr oder weniger seriöser Empfehlungen zur prophylaktischen Immunstimulation, sei nochmals an eine Studie aus dem Herbst 2019 erinnert, die sich auf die altüberlieferte Tradition des Tätowierens  der Samoa-Insulaner bezieht 1.  Offensichtlich führt das wiederholte Stechen von Tattoos, zu einem nachhaltigen Anstieg der sIgA (sekretorische IgA), also Immunglobulinen oder Antikörpern, welche sich in den Schleimhäuten bilden und auch im Blut vorzufinden sind und den Körper vor dem Eindringen von Viren, Bakterien und anderen Krankheitserregern schützen. Erklärt wird dies u.a. durch eine allfällige adaptive Immunantwort nach Verletzungen, also dem Bemühen der Lymphozyten, die hochspezifischen Oberflächenmerkmale von vermeintlichen Eindringlingen zu erkennen.

1 Lynn CD, Howells M, Herdrich D et al. The evolutionary adaptation of body art: tattooing as costly honest signaling of enhanced immune response in American Samoa. Am J Biol.  2019 Oct 26; doi.org/10.1002/ajhb.23347

RK 09.04.2020


Erfolgreiche Migränebehandlung durch rPMS des oberen Rückens 1

Mit nur sechs Anwendungen im Bereich der Trapezius- und Deltoideus-Muskeln des Rückens, ist es mit der repetitiven peripheren Magnetstimulation (rPMS) gelungen, die Anfallshäufigket bei Migränepatienten signifikant zu verringern.  Legt man das MIDAS-Scoring (Migraine Disability Assessment) zugrunde, welches die funktionellen Beeinträchtigungen durch Kopfschmerzen (insbesondere Migräne) in den vorausgehenden drei Monaten erfasst, ergibt sich ein relativ klares Bild: So verbesserte sich der Score von ursprünglich 29 auf 13 Punkte ( M. trapezius) bzw. von 31 auf 15 Punkte (M. deltoideus).

1 Rennet T, Sollmann N, Heinen F et al. Alleviation of migraine symptoms by application of repetitive peripheral magnetic stimulation to myofascial trigger points of neck and shoulder muscles – a randomized trial. Sci Rep. 2020 Apr 6; 10(1): 5954

RK 07.04.2020


Nochmals bestätigt: Gesamtmortalität sinkt mit dem täglich absolvierten Schrittpensum

Laut einer aktuellen Studie1 besteht zwischen dem täglich absolvierten Schrittpensum und der Gesamtmortalität ein deutlicher Zusammenhang. Während die Mortalität bei Personen mit täglich weniger als 4 000 Schritten  77 / 1000 Personenjahre beträgt, liegt sie bei mehr als 12 000 Schritten bei unter 5, was ungefähr einem Sechzehntel entspricht.

1 Saint-Maurice PF, Troiano RP, Bassett DR Jr et al. Association of daily step count and step intensity with mortality among US adults. JAMA. 2020; 323(12): 1151-1160

06.04.2020


Europäische Kommission will Inkrafttreten der neuen MDR-Verordnung auf 2021 verschieben

Als Reaktion auf die Pandemie mit dem Coronavirus, hat die Europäische Kommission an den Rat der EU-Staaten sowie das Europäische Parlament appelliert, die Anwendung der neuen MDR (Medical Device Regulation), die eigentlich zum 26. Mai 2020 in Kraft treten soll, um ein Jahr zu verschieben. Damit sollen Lieferengpässe in der derzeit angespannten Lage und eine Unterbrechung  bei der Versorgung mit medizinischen Geräten vermieden werden.

25.03.2020

Update: Durch Europäisches Parlament am 17.04.20 beschlossen


World Health Summit

Berlin . Germany . October 25 – 27 , 2020

2 500 Paticipants . 300 Speakers . 100 Countries . 50 Sessions

A leading international forum for global health. With science, politics, the private sector, and civil society – with inspiring talks, enhanced cooperations, and new solutions


Human Enhancement 2020

Laut dem Marktinformationsdienst Mordor Intelligence liegt die jährliche Wachstumsrate (CARG Compound Annual Growth Rate)  im Markt Human Enhancement für den Prognosezeitraum 2020 – 2025 bei 38 %, so dass  im Jahre 2025 ein Volumen von über 1,925 Milliarden USD erwarten ist. Dies ist natürlich nicht mit dem  globalen Markt für Longevity-Produkte zu vergleichen, der im Jahre 2020 etwa 55 Millarden USD erreichen wird.


Longevity März 2020

Chen Y, Zhang S, Zeng B et al. Transplant of microbiota from long-living people to mice reduces aging-related indices and transfers beneficial bacteria. Aging. 2020; 12: https://doi.org/10.18632/aging.102872 [Epub ahead of print]

Personen aus Landesteilen („Blue Zones“), in denen die Menschen überdurchschnittlich länger leben,  besitzen eine höhere mikrobiotische Diversität als junge Menschen aus dem selben Land [1]. Wird z.B. der  Stuhl solcher Menschen auf Mäuse transplantiert, verbessert sich nicht nur deren intestinale Mikrobiota, nehmen die kurzkettigen Fettsäuren (SCFA)  zu und verlängern sich die Zotten des Darms, sondern reduziert sich auch das gefährliche Lipofuszin und die ß-Galactosidase.  Das hat ein immense Bedeutung, häuft sich doch mit zunehmendem Alter das Lipofuszin besonders in Herzmuskel-, Leber, Nerven- und Retinazellen an und führt zu deren Apoptose (Absterben) oder gilt eine erhöhte ß-Galactosidase-Aktivität als ein molekularer Marker für seneszente (alternde) Zellen.

[1] Kong F, Deng F, Li Y, Zhao J. Identification of gut microbiome signatures associated with longevity provides a promising modulation target for healthy aging. Gut Microbes. 2019; 10:210–215.


AGEING SCIENCE | AGEING WELL | LONGEVITY RISK

The Longevity Leaders World Congress took place 19-22 May 2020 as a virtual event

In light of Covid-19 this event wil no longer take place in April. New dates will be announced soon

2nd Longevity Leaders Congress
21-22 April 2020
London, UK

https://www.lsxleaders.com/longevity-leaders-congress


Neue EU-Medizinprodukte-Verordnung

Laut Bundesverband für Medizintechnologie beschäftigt die deutsche Gesundheitswirtschaft 7,6 Millionen Menschen und erwirtschaftet fast 370 Milliarden Euro [1]. Von jährlichen Wachstumsraten von bis zu 7 % verwöhnt, hat sich 2019 die Stimmung im Medizintechnikmarkt, der auf einen Gesamtumsatz von 30,4 Milliarden Euro kommt, aber deutlich eingetrübt.

Mit einer zu erwartenden Umsatzsteigerung (Inland) um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr (4,3 %) [2], sind dies natürlich Klagen auf hohem Niveau. Hauptgrund ist die neue EU-Medizinprodukte-Verordnung (Medical Device Regulation MDR), die zu längeren Bewertungsverfahren und steigenden Preisen bei den Benannten Stellen führt.

Gerade wegen den verschärften Anforderungen an die technische Dokumentation, umfangreichen Vorgaben an die Post-Market-Surveillance sowie der deutlich detaillierteren Regelung für die klinischen Bewertungen und Prüfungen ist es deshalb erforderlich, sowohl in der Produktzulassung, als auch in der Produktbegleitung, für eine saubere Dokumentation zu sorgen.

[1] BVMed: Branchenbericht für Medizintechnologie, Stand 21. Nov. 2019
[2] BVMed: https://www.bvmed.de/de/branche/lage-der-branche


MP-Anpassungsgesetz und keine Ende

Nach dem Medizinprodukte-Anpassungsgesetz, das nach einer Übergangsfrist von drei Jahren im Mai diesen Jahres in Kraft tritt, müssen alle Medizinprodukte neu zertifiziert werden, also auch diejenigen, die sich bereits länger auf dem Markt befinden. Zugleich müssen auch die europaweit 58 Benannten Stellen, die für die Zertifizierung der Produkte zuständig sind, selbst einen Zertifizierungsprozess durchlaufen, um zu belegen, dass sie den verschärften Anforderungen der Verordnung entsprechen. Bislang sind jedoch erst 9 nach neuem Recht bestätigt. Auch die Europäische Datenbank für Medizinprodukte (Eudamed) wird wohl erst 2022 voll funktionsfähig sein [1] .

[1] Korzilius H. Medizinproduktegesetz, Einzelne Punkte nachbessern. Deutsch. Ärztebl. 2020; 117(5): C 173