Impotenz – das Märchen von der Zuflussstörung

Wenn man von psychischen und partnerschaftlichen Einflussfaktoren einmal absieht, hält sich weiterhin die populäre Meinung, dass eine ED hauptsächlich mit raucher- bzw. atherosklerotisch bedingten Durchblutungsstörungen zusammenhängt.

Dabei ist in der Sexualmedizin schon längst geklärt, dass ein völlig anderer Mechanismus dahintersteht. Anatomisch gesehen bestehen die Schwellkörper des Penis aus einem gleichgewichtigen Verhältnis aus Bindewebe/Kollagen und sog. glattem Muskelgewebe. Bedauerlicherweise herrscht in ruhenden Genitalien aber nur ein Blutdruck von 25 – 40 mmHG, der nur durch spontane nächtliche Erektionen, Masturbation oder Geschlechtsverkehr in die Höhe geht.

Dies ist aber für die Funktionstüchtigkeit des Penis von entscheidender Bedeutung, da sich bei einem niedrigen Sauerstoffpartialdruck das Wachstum der glatten Muskelzellen zugunsten des Bindegewebes einschließlich Kollagen reduziert. Nehmen nun die erektilen Aktivitäten ab (Alter, fehlende Geschlechtspartner, Unlust usw.) und liegt damit der dortige Sauerstoffpartialdruck ständig im unteren Bereich, dann reduziert sich das flexible glatte Muskelgewebe zugunsten des derben Bindegewebes, und eine (Bindegewebs) Fibrose entsteht. Die Schwellkörper dehnen sich deshalb nicht mehr richtig aus, was den Druck auf die Außenhülle der Schwellkörper (Tunica albuginea) schmälert. Durch diese führen aber die ableitenden Penisvenen („veno-okklusives System“ ), welche nun nicht mehr entsprechend komprimiert werden können. Die Folge: Je nach Ausprägung fließt damit in der selben Zeiteinheit fast genauso viel Blut aus dem Penis wieder ab, wie zuvor zugeflossen ist.

Dies scheint tatsächlich ein ernsthaftes und weit verbreitetes Problem zu sein, nachdem bei impotenten Männern die Häufigkeit einer venös bedingten ED zwischen 25 % und 86 % liegt und in Westeuropa fast 60 % der Männer mittleren Alters (46 Jahre) schon an einer leichten Erektionsstörung leiden.

Anders als Potenzmittel, die letztlich nur symptomatisch wirken, setzen medizintechnische Verfahren an genau dieser venösen Abflussstörung an. Ermöglicht wird dies durch zwei („Potenz“) Muskeln im vorderen Bereich des männlichen Beckenbodens . Sind diese nämlich entsprechend ausgeprägt und reagibel, was man medizintechnisch auftrainieren kann, ermöglichen sie eine weitgehende Blockade des abfließenden Bluts. Im Penis gelingt so eine Druckentwicklung von über > 100 mmHG meist selbst dann, wenn eine veno-okklusive Dysfunktion vorhanden ist.

Die Bedeutung dieser Verfahren lässt sich allein schon daran bemessen, dass in einer Vergleichsstudie, die mit Sildenafil und einem aktiven Beckenbodentraining durchgeführt worden war, das Potenzmittel schlechter abgeschnitten hatte als das körperliche Training.

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